Luhmanns Kasten
Schlagworte: Luhmann Mobil- Wissen Zettelkasten
Geschrieben von Stefan
Bei der Recherche nach Werkzeugen zur Wissensorganisation und Verarbeitung bin ich über dieses Video gestolpert:
Sein Zettelkasten ermöglichte ihm also seine unheimliche Wissensleistung, nur dieser ermöglichte die Quellendichte und ganzheitliche Betrachtung der Gesellschaft und ihrer sozialen Systeme. Im Jahr 2005 wurde dieser Zettelkasten einigen wenigen Auserwählten zugänglich gemacht, sie sprachen ehrfürchtig mit diesem Berg aus Wissen, komprimiert auf 20.000 Zettel in Holzkisten.1
Mit einer solchen Wissensdichte muss man aber auch umgehen können, nicht auffindbares Wissen ist nicht vorhandenes Wissen. Luhmann besaß dafür ein verzweigtes Verweissystem und ein diszipliniert geführtes Schlagwortregister. Aber selbst ihm sind Dinge verloren gegangen, so wurde der Zettel Nr. 1 zweimal aufgefunden.
Backups und Neuaufbau des Verweissystems verbieten sich von selbst. Man stelle sich vor, Luhmanns Kasten wäre einem Brand, Einbruch oder Wasserrohrbruch zum Opfer gefallen. Mittlerweile wird der Kasten gescannt damit ihn auch andere Menschen nutzen können und er durch die Benutzung nicht zerstört wird.
Wer sich heute einen solchen Zettelkasten anlegen will wird von vornherein eine digitale Lösung vorziehen, ein Medienbruch kann so vermieden werden, Backups und Synchronisierung lassen sich leicht realisieren und man kann den Kasten auch mal auf Reisen mitnehmen.
Im ersten Moment habe ich dafür ein Wiki-System favorisiert, Verlinkungen sind leicht möglich, Die Schlagwortliste baut sich quasi von allein auf und auf dem eigenen Server hätte man darauf von überall Zugriff. Nachteile sind der öffentliche Zugriff und die fehlende Struktur. Außerdem fehlten mir die Schnittstellen zu Literaturverwaltung und Textsatzsystem.
Aus diesem Grunde bin ich dann auf eine Stand-Alone-Lösung gestoßen: Zettelkasten 3 von Daniel Lüdecke. Die kleine Programmdatei wird direkt ausgeführt und präsentiert das Programmfenster. Links legt man einen neuen Zettel an, mit einem Rechtsklick auf ein markiertes Wort wird es der Schlagwortliste hinzugefügt. Darunter die Quellenangabe und daneben eventuelle Anhänge. Mit der Zeit baut sich aus den Schlagworten und Verweisen ein Cluster, den man durchsuchen kann.
Die Anhänge sind ein Vorteil der digitalen Variante, man kann so Dokumente, Bilder Dateien direkt mit dem Zettel verknüpfen. Auch die Literaturangaben sollte man umfassend nutzen, man kann sie direkt in eine Literaturverwaltung exportieren. Über das BibTex-Format kann man Word oder auch LaTeX nutzen, je nachdem welche Form des Verfassens man präferiert. Ebenso kann man bereits angelegte Literaturverzeichnisse importieren.
Insgesamt also ein sehr flexibles Werkzeug mit vielen Schnittstellen und einer einfachen Bedienung. Keine Installation notwendig, die Daten werden direkt im Verzeichnis abgelegt, die Anhänge ebenfalls. Man kann also problemlos seinen Kasten auf einem USB-Stick oder mit DropBox mit sich führen.



[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von systemtheorie, Stefan Lorenz erwähnt. Stefan Lorenz sagte: New blog post: http://tinyurl.com/ydz2eqx – #Luhmann und sein Kasten #Zettelkasten #Wissen #Organisation #Texte [...]
[...] meinem Beitrag zu Luhmanns Zettelkasten habe ich DropBox erwähnt. Der Zettelkasten ist eine nützliche Anwendung die jedoch über keine [...]
Hallo Stefan,
ich beschäftige mich auch seit einiger Zeit mit ähnlichen Fragestellungen und bin froh, dass Luhmanns Zettelkasten immer mal wieder referenziert wird. Daniels Digitaladaption finde ich auch sehr gelungen. Darüber hinaus aber vielleicht noch ein Hinweis, der Dich interessieren könnte: An der Uni Hamburg arbeiten wir seit einigen Jahren an einem ähnlichen Projekt zur nachhaltigen Wissensorganisation, dass kostenlos herunterzuladen und zu nutzen ist: study.log heißt die Anwendung und ist bis dato als Standalone-Variante zur Nutzung auf dem eigenen Rechner verfügbar (noch basierend auf Macromedia Director, im Laufe des nächsten Jahres wird eine neue Version auf Basis von Adobe AIR veröffentlicht werden) und darüber hinaus als eigenständiges Theme für selbstgehostete WordPress-Blogs. Mehr Infos findest Du hier:
http://mms.uni-hamburg.de/blogs/studyblog/
Liebe Grüße, Sebastian
Ich war eben auf der Suche nach einer Anwendung die ich Off- und Online gleichermaßen benutzen kann. Zusammen mit DropBox, wie in dem anderen Artikel beschrieben kann ich das.
Vor allem im Bundesarchiv sieht es immer mau aus mit dem Internetzugang, ich brauche also etwas das Offline läuft und dann dennoch synchron wenn ich an verschiedenen Rechnern sitze.
Vor allem die Autopoiesis des Kastens hat mich überzeugt.